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DVD: Leopoldsreut


Peter Reichardt "Leopoldsreut - Die Geschichte eines untergegangenen Dorfes im Bayerischen Wald",

Dokumentarfilm, Verlag: Morsak, ISBN 978-3-86512-036-6

 

 

 

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Die DVD "Leopoldsreut. Die Geschichte eines untergegangenen Dorfes im Bayerischen Wald"

erhältlich im Buchhandel (Pustet-Passau, Lang-Freyung)

sowie direkt zu beziehen beim Morsak-Verlag Grafenau !!

ISBN 978-3-86512-036-6


Leopoldsreut: Film auf DVD erschienen       PNP vom 27.12.2008


FRG. Der Film von Peter Reichardt über „Leopoldsreut“ - die Geschichte eines untergegangenen Dorfes im Bayerischen Wald“ ist nun als DVD im Morsak-Verlag in Grafenau erschienen. Dieses Dokument über die Besiedlung dieser Waldeinsamkeit in über 1000 Meter Meereshöhe bei Bischofsreut an der Landesgrenze zu Böhmen, die Schicksale der Bewohner, die harten Zeiten in mehr als sechs Monaten Winter im Jahr geht unter die Haut und ist, wenn auch nicht professionell überfrachtet, ein Stück ausdrucksstarker Heimatgeschichte. Vor allem die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts und damit der Abzug der letzten Dorfbewohner von „Sandhäuser“, wie Leopoldsreut auch im Volksmund benannt wird, sind geradezu rührend in die heutige Zeit rüber gebracht. Eineinhalb Stunden dauert dieser „Roman“ über das letzte große Waldler-Epos - und wer in dieser Zeit aufgewachsen ist, der fühlt, dass es oft seiner eigenen „Geschichte“ gleicht. Und gerade im Winter schaut man sich diesen Film gerne an, denn wie sagte man einst über dieses entlegendste Dorf mit der kleinsten Schule in ganz Deutschland: „Drei Viertel Jahr Winter, ein Viertel Jahr kalt, das ist Sandhäuser im Bayerischen Wald!“ Die DVD, die unter der ISBN-Nr. 978-3-86512-036-6 erhältlich ist, kostet 19,90 Euro. - bi

 


Leopoldsreut - die Geschichte eines untergegangenen Dorfes        PNP vom 12.09.2008


Emerez Meier wurde mit ihrem Gedicht „Wödaschwüln“ in der überarbeiteten Dokumentation verewigt

Von Alois Pauli
Leopoldsreut. Wer eine Großmutter hat, die so gut erzählen kann wie Stilla Moritz, und ein Enkel ist, der die Schätze erkennt, die dahinter stecken, dann kann ein historisches Zeitdokument von großem Wert entstehen. Der Enkel, das ist der 25-jährige Theologiestudent Peter Reichardt aus Hinterschmiding. Und der hat seine Oma erzählen lassen. Aber nicht von irgendetwas, sondern vom Leben in ihrem Geburtsort Leopoldsreut, dem verlassenen Dorf zwischen Bischofsreut und Obergrainet. Einem Ort, 1108 Meter über dem gelegen, der am besten so charakterisierte wird: „A dreiviertl Jahr Winter, a viertel Jahr koit, so ist das Wetter im Woid.“ Das gilt natürlich nicht für alle Gebiete im „Woid“, jedoch bestimmt für Leopoldsreut. Eben dieses unwirtliche Klima und zudem der wirtschaftliche Niedergang sind die Hauptgründe, warum im Jahre 1963 die letzten Häuser des Dorfes - bis auf die Kirche und das Schulhaus - abgerissen wurden. „Er hat mich erzählen lassen, der Peter, und ich hab’s am Anfang gar nicht gemerkt, dass er mich dabei gefilmt hat“, berichtet schmunzelnd die 80-jährige Dame. Damals war Filmmaterial mit einer Laufzeit von fünf Stunden herausgekommen, über das s die PNP bereits ausführlich berichtet hatte (Ausgabe vom 19. Januar). Jetzt hat Peter Reichardt das Material überarbeitet und einen 90-Minuten-Film daraus gemacht. Er ist der Großmutter zum 80. Geburtstag gewidmet. Entstanden ist ein sehr persönliches Dokument, in dem der Autor aber immer wieder mit leichter Hand die Geschichte von Leopoldsreut mit einfließen lässt. Als Premierenort des Filmes mit dem Titel „Leopoldsreut - die Geschichte eines untergegangenen Dorfes im Bayerischen Wald“ hatte man sich für den Originalschauplatz entschieden. „Das ist sicherlich die erste Kinovorführung hier“, bemerkte Erich Dorner vom Kulturlandschaftsmuseum (KuLaMu), der zusammen mit seinen Helfern die Veranstaltung auf die Beine gestellt hat. Und das ließ sich sehen: Auf einer Wiese neben der Kirche und dem Schulhaus von Leopoldsreut wurde eine großformatige Leinwand aufgestellt, davor Bänke und Stühle für die Besucher. Wie sich bald herausstellen sollte, zu wenige. Denn Dorner konnte rund 250 Gäste willkommen heißen, die mit einem Pendelbus oder zu Fuß von Bischofsreut oder Obergrainet gekommen waren. Unter ihnen waren MdL Dr. Gerhard Waschler, Bürgermeister Fritz Gibis, stellv. Landrätin Renate Cerny und Pfarrer Alois Kaiser. Die Veranstaltung wurde von der Gruppe „Hurraxdax“ aus Hinterschmiding musikalisch begleitet. Für das leibliche Wohl war an Ständen mit typisch bayerischer Brotzeit und Getränken bestens gesorgt. Als nach 20 Uhr der Wind auffrischte und die Nacht über die Baumwipfel hereinkam, begann die Vorführung. Neben der Dunkelheit verbreitete die gänzliche Abgeschiedenheit, das leise Rauschen des Windes in den Ästen der Bäume und die düstere Waldkulisse eine Art von Stimmung, wie sie nur bei einer Veranstaltung in dieser Umgebung aufkommen kann.
Die Dokumentation - bestehend aus den Erinnerungen von Stilla Moritz, ihrem Ehemann Ludwig und anderen Zeitzeugen sowie vielen historischen Fotos aus der Leopoldsreuter Vergangenheit - stellte Reichhardt hauptsächlich deshalb in überarbeiteter Form zusammen, weil er von vielen Leuten dazu ermuntert wurde. Ferner hätten ihn Nachfahren von Menschen, deren Wurzeln in Leopoldsreut liegen, dazu angeregt. Ein weiterer Grund ist, dass es viele Leute gibt, die irgendeinen Bezug zu dem Ort haben, und seien es nur Wanderer, die gern in der St. Nepomuk-Kirche stille Einkehr halten. Außerdem werden die Menschen, die noch in Leopoldsreut gelebt hätten, leider immer weniger. Vor kurzem, so bedauerte Reichart, sei die letzte Lehrerin Elfriede Tausch gestorben. Sie habe von 1945 bis zur Schließung der Schule im Jahre 1954 dort unterrichtet. Bei der Schilderung der schweren Feldarbeit mit Ochsen- und Kuhgespann wurde Emerenz Meier mit der gesungenen ersten Strophe ihres Gedichtes „Wödaschwüln“ in dem Film ein Denkmal gesetzt. Denn was könnte die Mühsal der damaligen Bewohner besser ausdrücken als diese Verse:

Mi würgt der Wind, mi druckt der Tag - Hü, meine Öchsl, hü! Schwül wirds, es kimmt a Wödaschlag. Hü, meine Öchsl, hü! Der Acker hat an hirtn Bodn, Der Mähnt koan Gang, der Pfluag an Schodn - Hü, meine Öchsl, hü! (Mähnt bedeutet Gespann)

Damit das Andenken an die „Sandhäuser“, wie Leopoldsreut im Volksmund wegen des Quarzsand-Vorkommens genannt wird, bestehen bleibt, hat Reichardt noch andere Pläne. Denn mittlerweile besitzt er an die 100 Anschriften in Form von E-Mails oder Postadressen von Leuten, die irgendeinen Bezug zu dem Ort haben. Seine Absicht ist es, diese von Zeit zu Zeit zusammen zu bringen. Eine günstige Gelegenheit bietet sich seiner Ansicht nach bei den alljährlichen Messen der Waldvereine Grainet und Herzogsreut in der Nepomuk-Kirche. Jedenfalls will er in diese Richtung weiter forschen und zur gegebenen Zeit darauf zurückkommen. Der Goldene Steig, an dem Leopoldsreut liegt, wurde im Jahre 1010 erstmals urkundlich erwähnt. Die anstehende 1000-Jahr-Feier will der KuLaMu-Förderverein im Jahre 2010 mit einem großen kulturellen Programm ausgiebig zur Geltung bringen. Angedacht ist ein historisches Festspiel auf dem Areal der ehemaligen Ortschaft. Rund 100 Laiendarsteller aus Bischofsreut und Umgebung werden die wechselvolle Geschichte des „verlassenen Dorfes“ in einer Theaterinszenierung darstellen. Dieses Schauspiel soll in regelmäßigen Abständen wiederaufgeführt und damit zu einem festen kulturellen Bestandteil des Bayerischen Waldes werden.


 


"Der Vater woit immer wieder hoam"     PNP vom 19.01.2008 [S.3]
 

Die Familie von Stilla Moritz hat Leopoldsreut als letzte verlassen, bevor das Dorf an der bayerisch- böhmischen Grenze 1963 aufgegeben wurde. Nun hat ihr Enkel aus Erinnerungen und Fotos eine Dokumentation zusammengestellt.

Von Doris Löw
Der Tod kam vor 45 Jahren. Krank war es schon länger. Aber dann kam das Wirtschaftswunder und damit war dann endgültig Schluss mit dem Leben in Leopoldsreut. Dass das verlassene Dorf nahe der tschechischen Grenze im Landkreis Freyung-Grafenau heute dennoch wenigstens in der Erinnerung weiterlebt, dafür hat ein 26-Jähriger gesorgt: Peter Reichardt aus Hinterschmiding hat seiner Oma zum 80. Geburtstag einen Film über ihren einstigen Heimatort geschenkt.
Ihre vielen Erzählungen hatten den Theologie-Studenten schon immer fasziniert. Als Bub hat er den Geschichten der Oma gelauscht, kannte Leopoldsreut - oder das, was davon noch übrig
war - vom


Abriss und Aufforstung 


Schwammerl suchen und Heidelbeeren pflücken. Jetzt hat Peter Reichardt 300 alte Fotos und fünf Stunden Filmmaterial für die Dokumentation zusammengetragen. Und Großmutter Stilla Moritz ist die Hauptdarstellerin. 1927 „droben in Leopoldsreut“ geboren, verbrachte Stilla ihre Kindheit und Jugend dort, bis sie 1947 den Holzhauer Ludwig Moritz kennen lernte. Mit ihm zog sie weg, wie es damals fast alle jungen Leute taten - tun mussten. Stillas Eltern, Therese und Ludwig Stadelbauer, waren die letzten Bewohner, die 15 Jahre später ihr Dorf schweren Herzens zurückließen. „Der Vater woit immer wieder hoam“, erinnert sich Stilla Moritz im Film unter Tränen an dessen letzte Tage. Freyunger Altenheim statt alter Heimat - der Abriss der letzten Häuser in Leopoldsreut und die zeitgleiche Aufforstung durch das Forstamt waren vor allem für die Älteren nicht leicht zu ertragen, aber wohl unumgänglich.
Denn an Leopoldsreut war das Wirtschaftswunder vorbeigegangen. Es gab keine Druckwasserleitung in den Wohngebäuden, kein elektrisches Licht, die Schneeräumung im Ort war fast unmöglich, die Volksschule wurde bereits 1955 wegen der geringen Kinderzahl aufgelöst - die neun Kinder mussten fortan den Schulweg von fünf Kilometern nach Bischofsreut auf sich nehmen.
Ein einfaches Leben in der Einöde, heute unvorstellbar, „wie aus einer anderen Welt“ - auch für den Studenten Peter Reichardt. „Aber meine Oma spricht davon, als ob es erst letzte Woche gewesen sei. Und sie war ja noch wirklich dabei“, sagt er, während Stilla Moritz ihrem Enkel mit der Suppenkelle den Teller füllt. Die Faszination über die miterlebte Zeitgeschichte ist dem jungen Mann ins Gesicht geschrieben. Und die Bewunderung für seine Großmutter auch.
Die Suppe und den folgenden Strudel hat es auch in Leopoldsreut schon gegeben. Stilla Moritz schmunzelt ob des großen Aufhebens um ihre Vergangenheit. „Aber schön ist es schon, dass das alles nicht ganz in Vergessenheit gerät“, meint sie, während sie zehn DVDs entgegennimmt, die ihr der Enkel als Kopien seines Films mitgebracht hat.
Für seinen Film befragte Reichardt in erster Linie seine Großeltern. „Ich hab’ die Kamera hingestellt, mich zur Oma auf die Couch gesetzt, und sie hat erzählt. Da hat sie kaum mitbekommen, dass sie gefilmt wird“, erklärt er die vielen emotionalen Stellen in seinem Zeitdokument. Zu Wort kommen auch andere Zeitzeugen: Karl Tausch aus Waldkirchen, Elfriede und Franz Tausch aus Karpfham im Rottal oder Maria Wachtfeitl aus Grainet.
Hilde Herzog aus Spiegelau erinnert sich ebenfalls noch gut. Sie ist eine Tochter des ehemaligen Lehrers Karl Herzog, der im Leopoldsreuter Schulhaus unterrichtete. Von ihm wiederum existieren noch Tonbandaufnahmen, in denen er von den
strengen Wintern und vom Alltagsleben erzählt, vom harten Leben 


Fünf Maß Bier fürs Jahr-Abgewinnen 


der Bauern und Holzarbeiter, vom Miteinander im Dorf während der rauen Winter. Ein wahrer Schatz für Peter Reichardt. „Es gibt so viel über die Historie des Orts. Aber über das wahre Leben dort war fast gar nichts da“, sagt er. Sein Film hat das geändert.
Darin wird manche Episode vom ehemaligen Lehrer zur lebendigen Geschichtsstunde. Schmunzeln muss man, wenn Herzog berichtet, wie er einmal dem alten „Tadil“, Vater von 24 Kindern, nach früherem Brauch das neue Jahr „abgewonnen“ hat - und zwar per Zuruf über den Rauchfang, weil der Rest des Hauses komplett eingeschneit war. Weil er dem Alten mit den guten Wünschen fürs neue Jahr zuvorgekommen war, sollte der Lehrer fünf Maß Bier bekommen. Das allerdings konnten sich die beiden erst im Juni genehmigen: Die Brauerei konnte wegen des lang anhaltenden Winters nicht eher liefern. Die Anfänge von Leopoldsreut, oder „Sandheisa“, wie es im Volksmund heißt, gehen zurück ins 17. Jahrhundert. 1618, als in Böhmen die Wirren des Dreißigjährigen Kriegs begannen, hat der Landesherr, Fürstbischof Leopold V. von Passau, zur Sicherung der Grenze durch erbrechtliche Verleihung von Land am Goldenen Steig die Ortschaft Leopoldsreut nach seinem Namen gegründet. So ist durch Rodungen auf dem Höhenrücken zwischen Haidl und Sulzberg ein Straßendorf mit neun Großhäusler-Anwesen entstanden.
Die Verkaufs- und Abwanderungswelle Ende der 1950er Jahre hat aus Leopoldreut schließlich ein „sterbendes Dorf“ gemacht, das 1963 endgültig aufgehört hat zu bestehen. Einzig das alte Schulhaus und das renovierte Kirchlein St. Nepomuk erinnern heute an das Dorf mit
seinen ehemals 21 Häusern.


Das Schulhaus ging an einen Berliner  


Das Alte galt wohl wenig bei den übrigen Bayerwaldlern in den 60er Jahren. Das Schulhaus hat ein Berliner für 4000 Mark gekauft - alles andere wurde abgerissen.
Freiwillig gegangen sind damals aber bei weitem nicht alle. Das weiß auch ein Passauer, der vor 62 Jahren selbst dort geboren wurde: Walter Landshuter, Wirt im Scharfrichterhaus. Wie viele besucht er Leopoldsreut noch heute regelmäßig. Seinen 60. Geburtstag hat er dort oben gefeiert, mit vielen bekannten Kabarett-Größen. Von Peter Reichardts Film war Landshuter bei der Premiere in Hinterschmiding begeistert. Jetzt will er den Kontakt mit dem Bayerischen Rundfunk herstellen. Nur eins liegt Walter Landshuter noch am Herzen: „Über die Umstände beim Abriss sollte man auch mal was machen“, meint er. Peter Reichardt hat’s notiert.

 

 

Oma Stilla und ihr Enkel Peter: Gerne bekocht die 80-Jährige ihren Enkel, wenn er zu

Besuch ist. Mit dem Film über ihre ehemalige Heimat im verlassenen Dorf Leopoldsreut

hat der 26-jährige  Theologie-Student seiner Großmutter eine große Freude gemacht.                           

- Foto: Löw

www.leopoldsreut.de | info@leopoldsreut.de